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ERP, Ticketsystem, diverse Tools und trotzdem laufen zentrale Abläufe an den Schnittstellen noch manuell. Freigaben per E-Mail, Stammdaten mehrfach gepflegt, Störungen per Zuruf. Dass der Wunsch nach Workflow Automation wächst, ist nachvollziehbar. Die eigentliche Herausforderung beginnt vor der Umsetzung: Welche Prozesse zuerst? Viele Initiativen scheitern, weil zu komplexe oder organisatorisch unreife Abläufe gewählt werden. Denn wer instabile Prozesse digitalisiert, beschleunigt vor allem eines: bestehende Ineffizienz.
In diesem Beitrag stellen wir ein zweistufiges Framework vor, mit dem produzierende Unternehmen geeignete Prozesse systematisch priorisieren, und zeigen vier klare „Winner“ der Effizienzsteigerung für den industriellen Mittelstand.
Erfolgreiche Workflow Automation scheitert selten an der Technologie. Sie scheitert daran, dass Unternehmen die falschen Prozesse zuerst angehen.
Dominik Fackler, Manager
Workflow Automation ist kein Selbstzweck. Im operativen Umfeld muss sie drei Dinge leisten: Aufwand reduzieren, Durchlaufzeiten verkürzen sowie Prozesssicherheit erhöhen. Damit das gelingt, braucht es eine saubere Vorauswahl, die sich gleich mehrfach auszahlt:
Gerade im Mittelstand ist das entscheidend. Ressourcen in IT und Fachbereich sind begrenzt; deshalb sollte nicht der lauteste Prozess gewinnen, sondern der mit dem besten Verhältnis aus Umsetzbarkeit und Wirkung
Die erste Automatisierung entscheidet selten über den ROI eines einzelnen Prozesses, aber fast immer darüber, ob das Thema im Unternehmen Fahrt aufnimmt oder versandet.
Niklas Blöcker, Berater
Die erste Stufe dient als Grobfilter. Jeder Prozess wird dabei entlang von zwei Dimensionen eingeordnet:
Daraus ergeben sich vier mögliche Felder und Handlungsempfehlungen:

Prozesse, die in Stufe 1 als vielversprechend erscheinen, werden in der zweiten Stufe differenzierter bewertet. Dazu wird jeder Prozess auf einer Skala von 1 bis 10 entlang von sechs Dimensionen eingeschätzt, die Werte anschließend individuell gewichtet und zu einer Gesamtpunktzahl verdichtet. Je höher das Ergebnis, desto besser eignet sich der Prozess für Workflow Automation.

Die sechs Dimensionen im Überblick:
Beispielhafte Gewichtung als Ausgangspunkt:
Dimension
Frequenz
Regeldefinition
Technische Machbarkeit
Prozessstabilität
Organisatorischer Reifegrad
Business Impact
Gewichtung
0,15
0,20
0,10
0,15
0,20
0,20
Diese Gewichtungen sind bewusst kein starres Modell. Ein Unternehmen mit starkem Fachkräftemangel wird den Business Impact womöglich höher gewichten, eines mit heterogener IT-Landschaft dagegen eher die technische Machbarkeit. Entscheidend ist, dass die Gewichtung bewusst getroffen und im Team diskutiert wird.
Die Feinbewertung liefert keine Wahrheit auf zwei Nachkommastellen, aber sie zwingt zur richtigen Diskussion.
Dr. Clemens Wolf, Geschäftsfeldleiter Digital Operations
Damit das Framework greifbar wird, ordnen wir vier typische Prozesse ein, die im produzierenden Mittelstand häufig vorkommen und die qualitativ besonders gut abschneiden.
Eingangsrechnungen werden im industriellen Mittelstand noch häufig manuell durchgeschleust: Rechnungen kommen per Post oder E-Mail, werden ausgedruckt, von Hand kontiert, per Hauspost weitergereicht und irgendwann im ERP gebucht. Dieser Medienbruch-Prozess bindet Kapazitäten in der Buchhaltung und ist fehleranfällig, gleichzeitig ist er hochgradig standardisierbar.
Was macht ihn so stark?
Je nach Komplexität des Lieferantenspektrums und der Abweichungslogik reicht die Spanne von weitgehender Vollautomation („No-Touch Invoice“) bis hin zu stark assistierter Automation, bei der das System Standardfälle automatisiert abwickelt sowie die Buchhaltung sich auf Ausnahmen konzentriert. In beiden Szenarien ist der Hebel für Produktivität und Prozesssicherheit im industriellen Mittelstand besonders groß.
Reklamationen und Qualitätsabweichungen folgen meist einem formalisierten Ablauf: Erfassung, Bewertung, Zuweisung, Maßnahmenverfolgung, Rückmeldung, Dokumentation. Die fachliche Ursachenanalyse bleibt dabei im Fachbereich, aber alles drumherum ist ein klassischer Workflow-Anwendungsfall.
Was macht ihn so stark?
Da nicht jede fachliche Bewertung automatisierbar ist, eignet sich dieser Prozess besonders gut für assistierte Automation. Das System steuert den Ablauf und der Mensch trifft die inhaltliche Entscheidung.
Materialstammdaten sind im industriellen Alltag ein oft unterschätzter Engpass. Neue Materialien oder Änderungen durchlaufen Konstruktion, Einkauf, Arbeitsvorbereitung, Disposition sowie Controlling. Ohne einen sauberen Workflow entstehen allerdings Rückfragen, Datenlücken und Verzögerungen mit direkten Auswirkungen auf Planung, Beschaffung und Produktion.
Was macht ihn so stark?
Dieser Prozess ist kein spektakuläres Digitalthema, aber operativ äußerst wirksam. Genau das macht ihn im Mittelstand so attraktiv.
Fehlerhafte Stammdaten blockieren nicht nur Systeme, sondern ganz reale Abläufe in Disposition und Produktion. Gerade deshalb lohnt sich hier ein sauberer Workflow besonders.
Dominik Fackler, Manager
Wenn eine Maschine steht, zählt jede Minute. Trotzdem laufen Meldung, Priorisierung und Zuweisung in vielen Werken noch über Zuruf, Telefon oder persönliche Gewohnheiten. Dabei ließe sich gerade der Weg von der Störungsmeldung bis zum richtigen Instandhalter hervorragend automatisieren.
Was macht ihn so stark?
Die eigentliche Reparatur bleibt selbstverständlich beim Instandhalter. Aber Erfassung, Zuweisung und Eskalation sind klassische Kandidaten für Vollautomation.
Aus dem Framework lässt sich eine einfache, aber wirkungsvolle Vorgehensweise ableiten:
Prozesskandidaten sammeln
Fragen Sie in Einkauf, Qualität, Arbeitsvorbereitung, Instandhaltung und Supply Chain gezielt nach Prozessen mit hohem manuellem Aufwand, vielen Rückfragen oder langen Liegezeiten.
Prozesse grob einordnen
Nutzen Sie die Matrix aus Frequenz und Komplexität, um erste Kandidaten zu identifizieren sowie offensichtlich ungeeignete Prozesse früh auszusortieren.
Prozesse fein bewerten
Bewerten Sie die Shortlist entlang der sechs Dimensionen und definieren Sie Ihre Gewichtungen bewusst, nicht beiläufig.
Mit einem klaren Winner starten
Wählen Sie nicht den prestigeträchtigsten Prozess, sondern den sinnvollsten. Frühe Erfolge schaffen Vertrauen und erleichtern die weitere Skalierung.
Workflow Automation entfaltet ihren Nutzen nicht dort, wo die Technologie am modernsten ist, sondern dort, wo Prozesse klar, häufig und wirksam sind. Genau deshalb ist die Auswahl der richtige Startpunkt. Ein belastbares Priorisierungsmodell hilft die Diskussionen zu versachlichen und Ressourcen gezielt einzusetzen, damit Sie den richtigen Prozess zuerst angehen. Für den produzierenden Mittelstand heißt das: weniger Aktionismus, mehr Wirksamkeit.
Sie möchten herausfinden, welche Prozesse in Ihrem Unternehmen das größte Potenzial für Workflow Automation haben? Wir unterstützen Sie dabei!

Manager, München
Dominik Fackler ist Manager bei Rothbaum Consulting Engineers in München und verantwortet Transformationsprojekte in den Bereichen Business- und Systemtransformation. Sein Fokus liegt auf der End-to-End-Optimierung von Geschäftsprozessen sowie der Auswahl und Einführung von passenden IT- Lösungen.
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