Das Bild zeigt ein Lager von oben. Die LKWs holen die Ware ab.

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Retourenmanagement im Fokus

Retourenmanagement: Chancen für Kostenreduktion und Margensteigerung

Retouren verursachen nicht nur direkte Rücksendekosten, sondern auch versteckte Aufwände in Qualitätsprüfung, Wiederaufbereitung und Administration. Eine prozessorientierte Herangehensweise mit klaren KPIs, standardisierten Prüfabläufen und Entscheidungskriterien für Wiederverkauf versus Entsorgung reduziert diese Aufwände signifikant. Dabei kann ein optimiertes Retourenmanagement gleichzeitig die Kundenzufriedenheit erhöhen und die ökonomische Bilanz verbessern.

Wer Rückgaben nur als Problem sieht, übersieht ihr Potenzial: Jede Retoure ist eine Chance, Prozesse zu verbessern, Kunden besser zu verstehen und die Supply Chain effizienter zu machen.

Nikolai Ruof, Senior Berater

Vom Kostenblock zum Werttreiber

Retouren gelten in vielen Unternehmen noch immer als unvermeidbarer Kostenblock. Dabei steckt in kaum einem Prozess so viel ungenutztes Optimierungspotenzial. Im Rahmen des SCOR-Modells (Supply Chain Operations Reference Model) werden Geschäftsprozesse in fünf Hauptkategorien unterteilt:

  • Planung (Plan)
  • Beschaffung (Source)
  • Herstellung (Make)
  • Lieferung (Deliver)
  • Rückgabe (Return)

Unternehmen analysieren und optimieren meist akribisch die ersten vier Schritte – von der Planung über die Beschaffung und Produktion bis zur Lieferung an den Kunden. Die Rückgabe, der fünfte Prozess, wird dagegen oft stiefmütterlich behandelt. Viele Unternehmen folgen dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“: Sobald eine Retoure eingeht, wird sie bearbeitet – aber selten als strategisch relevanter Prozess verstanden.

Gerade hier legt jedoch der Fehler. Denn insbesondere in Deutschland ist das Thema von großer Bedeutung: Im europäischen Vergleich gilt Deutschland als „Retoureneuropameister“ (vgl. Universität Bamberg). Rücksendungen sind also längst kein Einzelfall mehr, sondern fester Bestandteil vieler Geschäftsmodelle, vor allem im Handel und E-Commerce. Wer Retouren deshalb nur verwaltet, statt sie aktiv zu steuern, lässt wertvolle Potenziale ungenutzt. Denn ein professionelles Retourenmanagement kann nicht nur Kosten senken, sondern auch Prozesse beschleunigen, Bestände schneller wieder verfügbar machen und damit die Marge spürbar verbessern.

Die Abbildung zeigt die 5 Prozesskategorien des SCOR Modells.
Abbildung 1: Fünf Prozess Kategorien nach dem SCOR Modell

Warum Rückgaben Chancen statt Lasten sind

Retouren umfassen eine Vielzahl von Szenarien: Kunden üben ihre Gewährleistungsrechte oder Garantien aus, Produkte werden zurückgerufen, Falschlieferungen korrigiert oder Bestellungen storniert. All diese Szenarien führen zu Rücksendungen, die nicht nur direkten Aufwand verursachen, sondern auch versteckte Kosten mit sich bringen. Neben den Kosten für den ursprünglichen Versand zum Kunden fallen auch Aufwände für die Rücksendung, für Qualitätsprüfungen, Wiederaufbereitung, interne Logistikprozesse sowie administrative Tätigkeiten an. Außerdem entsteht oft ein Wertverlust, wenn zurückgesandte Produkte Gebrauchsspuren aufweisen und nicht mehr als Neuware verkauft werden können.

Trotz dieser potenziellen Kosten zeigt sich in der Praxis, dass viele Retouren problemlos wiederverwendet werden können. Nur ein kleiner Teil der zurückgesendeten Waren ist so stark beschädigt, dass er aussortiert werden muss. Die Sorge, Verluste durch Rücksendungen seien unvermeidlich, ist daher häufig unbegründet. Entscheidend ist vielmehr eine systematische Analyse der Rückläufer: Welche Artikel sind besonders häufig betroffen, und welche Ursachen lassen sich dafür identifizieren? Teilweise sind es ganz banale Gründe – etwa, dass ein Produkt auf der Website anders wirkt als in der Realität. Farbabweichungen, unklare Größenangaben oder missverständliche Produktbeschreibungen können schnell zu enttäuschten Erwartungen und damit zu Rücksendungen führen. Wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern und so die Retourenquote nachhaltig senken.

Interessanterweise kann es sogar strategisch sinnvoll sein, die Widerrufsfrist zu verlängern. Großzügigere Rückgabefristen können das Vertrauen der Kunden stärken und die Kaufbereitschaft erhöhen, ohne dass dadurch zwangsläufig hohe Zusatzkosten entstehen. Zudem können Rücksendekosten, je nach rechtlichem Rahmen und Ausgestaltung des Angebots, auf den Kunden übertragen werden, wodurch sich die finanzielle Belastung für Unternehmen reduzieren lässt.

Um die Retourenquote langfristig zu senken, sollten Unternehmen genau hinschauen und konkrete Maßnahmen ableiten. Regelmäßige Analysen der Retouren ermöglichen es, Muster zu erkennen und gezielt gegen wiederkehrende Ursachen vorzugehen. So lassen sich nicht nur direkte Kosten, sondern auch indirekte Aufwände wie administrative Prozesse und interne Logistik reduzieren.

Zusammenfassung

Retouren werden in vielen Unternehmen noch immer unterschätzt, obwohl sie ein wichtiger Bestandteil der Supply Chain sind. Im SCOR-Modell bilden Rückgaben den fünften Prozessschritt und bieten erhebliche Potenziale zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung. Wer Retouren systematisch analysiert, Ursachen identifiziert und gezielte Optimierungsmaßnahmen ableitet, kann Rücksendungen reduzieren und zugleich die Marge verbessern. Rückgaben sollten daher nicht als lästige Pflicht, sondern als strategische Chance zur Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette verstanden werden.

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    Portrait von Nikolai Ruof, Senior Berater bei Rothbaum Consulting Engineers

    Nikolai Ruof

    Senior Berater, München

    Nikolai Ruof ist gelernter Industriemechaniker, studierter Maschinenbauingenieur und Senior Berater im Münchner Rothbaum Office. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen unter anderem in der Lagerplanung, Fabrikplanung und Wertstromanalyse. 

    Portraitbild von Philipp Carl, Geschäftsführer bei Rothbaum

    Philipp Carl

    Senior Manager, München

    Der Diplom-Wirtschaftsingenieur berät seine Klienten in Fragen der Lager- und Logistikplanung sowie der Digitalisierung der Logistik sowie in den Bereichen Operations Management und Strategy.

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